Wie alles begann

Wie wir arbeiten?

Die Welt liegt in Händen von Menschen, die die Veränderungen der Gegenwart sehen können, Menschen, die den Mut haben, ihren Gaben entsprechend ihre Träume zu leben.

Paulo Coelho

 

Ein Mitglied erinnert sich…

Die politischen Ereignisse des Novembers 1989 und des Jahres 1990 machten es möglich, dass eine eigene Interessenvertretung für ein selbstbestimmtes Leben von Menschen mit Behinderungen gegründet werden konnte. Denn neben dem in der damaligen DDR bereits vorhanden Blinden- und Sehschwachenverband, sowie dem Gehörlosen- und Schwerhörigenverband gab es keine vergleichbare Organisation für körper oder geistig behinderte Menschen außerhalb der kirchlichen Institutionen. 

Am 07.02.1990 war es soweit. Mehr als 40 Behinderte,   Eltern mit behinderten Kindern, Vertretern des Rates der Stadt Meiningen Abteilung Sozialwesen, des Rates des Kreises Abteilung Kreisrehazentrum und der Diakonie versammelten sich in der Wohngebietsgaststätte Kalininring. Die damals Anwesenden waren sich einig, dass die Gründung eines Verbandes notwendig ist,  um auf die zahlreichen Probleme von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft aufmerksam zu machen. Im April 1990 wurden die Weichen innerhalb der Initiativgruppe gestellt, nachdem sich die Eltern behinderter Kinder der Lebenshilfe angeschlossen haben. Mit der Gründungsversammlung unseres Verbandes am 18.04.1990 wurde der Satzungsentwurf bestätigt.

Der 1. Vorstand

Frau Annemarie Eckardt – Vorsitzende

Frau Konstanze Franz – stellvertretende Vorsitzende

Frau Kerstin Geppert  – Schriftführerin

Herr Hubert Hess – Verantwortlicher für Finanzen

Frau Rosemarie Uher – Beisitzerin

Herr Jörg Sauer – Öffentlichkeitsarbeit

Herr Andreas Geppert  – Bauen und Verkehr.

Damit nahm der “Behindertenverband des Kreises Meiningen” e. V. seine Arbeit auf und am 8. Mai 1990 erfolgte die Eintragung unter Nummer 2 im Vereinsregister.

Unser Verein gehörte von 1990 bis November 2002 dem “Verband der Behinderten Thüringen” e. V. an. Seit November 2002 sind wir Mitglied im “Landesverband für Menschen mit Behinderungen in Thüringen” e.V. Im Juni 2004 änderten wir bedingt durch den Zusammenschluss der Kreise Schmalkalden und Meiningen zu einem Landkreis unseren Namen in “Behindertenverband des Landkreises Schmalkalden-Meiningen” e. V. Damit möchten wir gleichzeitig zum Ausdruck bringen, dass sich unser Wirkungskreis nicht nur auf Meiningen und die nähere Umgebung, sondern auf den ganzen Landkreis erstreckt.

Die Vorsitzenden:

Frau Annemarie Eckardt leistete eine hervorragende Aufbauarbeit. Aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen musste sie im Oktober 1993 leider den Vorsitz abgeben. Nach kommissarischer Leitung von noch 3 Vorstandmitgliedern und der Neuwahl von engagierten Mitgliedern am 07.04.1994, konnte die Verbandsarbeit unter dem langjährigen Vorsitz von Herrn Manfred Westerwick bis ins Jahr 2006 weitergeführt werden. Im April 2006 stand Herr Westerwick aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung. Seitdem steht der Verband unter der Leitung von Herrn Jürgen Schmidt.

Nach den ersten Treffen in der Wohngebietsgaststätte “Kalininring” suchten wir nach geeigneten Räumen, die mit dem Rollstuhl zugänglich waren und ca. 50 Mitgliedern Platz boten. Dies war nicht einfach. Doch  die Stadt Meiningen half uns und so konnten wir uns einmal monatlich in der Begegnungsstätte in der Utendorfer Straße treffen. Der barrierefreie Zugang wurde später durch die Stadt Meiningen umgestaltet und verbessert. 1997 musste sich der Verband neue Räume suchen, da die Begegnungsstätte geschlossen wurde. Seitdem finden unsere Veranstaltungen größtenteils in den angemieteten Räumen der Volkssolidarität statt. An dieser Stelle ein Dank unsererseits für die freundliche Unterstützung.

 

Unser Vereinsleben war im Gründungsjahr und dem darauf folgenden Jahr durch viele Veranstaltungen, die Informationscharakter trugen, geprägt. Aufklärung über die Rechte Behinderter, über Hilfsmittel und Gesetze war notwendig und wichtig. Dies gilt bis heute und zieht sich wie ein “roter Faden” durch unser Veranstaltungs-programm. Aber auch gesellige Veranstaltungen, wie Weihnachtsfeiern, Grill- und Sommerfeste, Buchlesungen, Bastelnachmittage, Diavorträge oder Veranstaltungen mit dem “Verein der Köche” bereichern unser Vereinsleben.

Besonders zu erwähnen sind 3 Seminare im Juni 1993 mit US- Militärangehörigen der amerikanischen Streitkräfte in Schweinfurt und dem Behindertenverband im Rahmen eines Begegnungsprogramms des KONTAKT- Bundesverbandes. Wir tauschten uns über Land und Leute aus. Im September 1991 fand unsere erste Busfahrt statt. Sie führte uns zur Wasserkuppe und nach Fulda. Seit dem ist ein jährlicher Vereinsausflug fester Bestandteil unseres Vereinslebens. Dabei werden die Ausflüge durch den Vorstand mit besonderer Sorgfalt vorbereitet. Vor Ort werden alle Gegebenheiten auf ihre Barrierefreiheit überprüft, da diese vielerorts noch nicht selbstverständlich sind. Der Fahrdienst des DRK Meiningen stand uns anfangs zur Seite, damit auch Rollstuhl-fahrer daran teilnehmen konnten. Jetzt gibt es bei den Meininger Bus-betrieben umgebaute Busse mit Lifter für Rollstuhlfahrer. Man muss sagen, eine große Errungenschaft!

Diese Veranstaltungen dienen als Hilfe zur Selbsthilfe. Menschen mit Behinderungen sollen Anleitung und Anregungen bekommen, eigenständige Initiativen zu ergreifen. Trotz Behinderung ist eine Teilhabe am öffentlichen Leben möglich. Es freut uns, dass wir zu unseren Fahrten immer öfter Mitglieder des Behindertensportverbandes als auch der Selbsthilfegruppe der Aphasiker begrüßen können. In gemeinsamen Gesprächen erkennen wir, dass die Probleme in Politik und Gesellschaft unabhängig von den jeweiligen Behinderungen bestehen und verbandsübergreifend sind. Es ist uns ein großes Anliegen, Menschen aus ihrer Isolation zu holen, Kontakte zu knüpfen und aufzuzeigen, dass es Möglichkeiten gibt, ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

1992 wurde nach einigen Überlegungen und Beratungen des Vorstandes eine Selbsthilfegruppe “Sport” unter dem Dach des Verbandes zu integrieren klar, dass die Aufgaben zu unterschiedlich sind und ein eigener Verein notwen-dig ist. Unser damaliges Mitglied, Herr Karl-Heinz Heim, übernahm den 1. Vorsitz und baute den Behindertensport-verein auf. Einige Mitglieder unseres Vereins sind aktiv im Behindertensportverein tätig und konnten bei Meisterschaften nennenswerte Erfolge erzielen.

Es ist uns wichtig, aktiv im kommunalen Bereich, als auch auf Landkreisebene mitzuwirken. Vorstandsmitglieder unseres Verbandes arbeiten seit 2004 im Behindertenbeirat des Landkreises und seit 2007 im Behindertenbeirat der Stadt Meiningen mit.

Wie bereits erläutert wurde, richtet sich unser Augenmerk auch auf die Mitsprache bei aktuellen Themen in Politik und Gesellschaft. Dies spiegelt sich darin wieder, dass wir auf bauliche Barrieren hinweisen und als Ansprech-partner bei der Lösung von Problemen zur Verfügung stehen.

1993 stellten unser Verband, als auch der DRK-Kreisverband und der ASB Meiningen Anträge an das Landratsamt Meiningen, zur Hilfegewährung bei Benutzung des Behindertenfahrdienstes. Die Beschlussfassung hierzu trat am 01.02.1993 in Kraft. Sie beinhaltete, dass Menschen mit Behinderungen unter bestimmten Voraussetzungen 600 Freifahrtkilometer pro Jahr in Anspruch nehmen konnten. Eine einmalige Antragstellung pro Jahr war hierzu dafür ausreichend. Diese unbürokratische Regelung endete mit Inkrafttreten des SGB XII.

Bei einer Ortsbegehung in Zusammenhang mit baulichen Barrieren im Bereich des Busbahnhofs im Mai 1994 sowie bei der Planung und Abnahme des Neubaus der Polizeiinspektion in Meiningen am 04.03.1999 standen wir beratend zur Seite.  Ebenfalls wurde am 09.11.1999 eine Besprechung zur behindertengerechten Gestaltung des Justizzentrums durchgeführt.

Im Zuge des grundhaften Ausbaus der B 19 in der Ortslage Wasungen fanden Treffen u.a. mit Vertretern der Stadt, der beteiligten Planungs-büros und dem Vorsitzenden unseres Verbandes statt. Dadurch konnten im Vorfeld Änderungen hinsichtlich der Barrierefreiheit eingearbeitet werden.

Aber auch überregional sind wir mit eingebunden. Als Mitglied im “Landesverband für Menschen mit Behinderungen in Thüringen” e.V. haben wir Anteil daran gehabt, dass im Jahre 2005 das Thüringer Gleichstellungsgesetz verabschiedet werden konnte. Auch wenn dieses noch Lücken aufweist, ist es ein Schritt in die richtige Richtung. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle die Verfassungsänderung im Artikel 3 GG, der nunmehr enthält, dass niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden darf. Auch hier hat unser Verband seinen Beitrag bei der Umsetzung geleistet.

Jedes Jahr am 05. Mai findet der „Europaweite  Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit  Behinderungen“ statt. Verbände und  Selbsthilfegruppen stellen sich vor und machen auf ihre  Probleme und Forderungen aufmerksam. Unser  Verband hat sich während seines Bestehens an  verschiedenen Aktionen thüringenweit beteiligt. Der  Initiative des Behindertenbeirats der Stadt Meiningen ist  es zu verdanken, dass der “Aktionstag Meilenstein” ins  Leben gerufen wurde. Aufgrund der großen Nachfrage  wurde er bereits mehrmals durchgeführt und wird uns  sicherlich auch in den nächsten Jahren Gelegenheit  geben, für unsere Rechte einzustehen.

Konstanze Schmidt (Vorstandsmitglied)

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